
Draussen und Drinnen
Eine der praktischen Erziehungsmaximen, die meine Kindheit bestimmt haben:
Iss nicht mit offenem Mund.
Colette (Sidonie Gabrielle Colette)
Draussen und Drinnen ist vorerst mal so deutlich wie Ja und Nein, wie Offen und Geschlossen. Diese offenkundige Ordnung legt sofort ihre Regeln dar. In ihrer Dialektik erhebt sie den Anspruch des Absoluten, und in ihrer Denkweise werden Grenzen zu Schranken.
Diese Kategorisierung bietet mit ihrem einfachen Schema eine Bequemlichkeit, die in ihrer definitiven Betrachtungsweise vergisst, dass Draussen und Drinnen keine entgegengesetzten Erfahrungen darstellen, sondern als zusammengehörig begriffen werden müssen.
Anhand von künstlerischen Arbeiten, wie unter anderem von Ernesto Neto, Hans Hemmert und Ann Hamilton, sollen Grenzen zwischen Raum und Körper ausgelotet werden. Allen Arbeiten gemein ist, neben einer materialen Umsetzung von Raum, ein über das Körperliche hinausgehendes Verständnis, den Raum als erlebten Raum zu verstehen ; erweitert durch Imagination.
In differenzierten Betrachtungen sollen sowohl die jeweiligen Raumkonstruktionen, als auch die unterschiedlichen Setzungen und Codes von Grenzen zwischen Material und Körper herausgearbeitet werden. Der inhaltliche Schwerpunkt fokussiert die Wahrnehmung und Veränderung von Raumphänomenen und Körpervorstellungen.
Ziel einer praktischen Arbeit ist das Erkunden der Grenzphänomene von Räumen sowie die Darstellung der Potenziale dieser Wahrnehmungsräume. Dies bietet eine Grundlage auf der Suche nach unmittelbar an den Körpersinnen orientierten Raumkonstruktionen. Denn auch der Raum der Architektur ist mehr als nur eine spezifisch kulturelle Produktion von Grenzen, Zuweisungen und Repräsentation.
ERGÄNZUNGSFACH
PHASE III > präsentation projekte SS 2002